Kinderheim für 50 Mädchen dank Hilfe aus unserer Region

Bruchsal/Kanniyakumari (ris). Viele in unserer Region haben am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht unbedingt an die Tsunami-Katastrophe von 2004 gedacht. Für Rudolf Knapp aus Bruchsal wird dieser Tag fortan aber immer eine besondere Bedeutung haben.

Als vor vier Jahren haushohe Flutwellen mit voller Wucht auf viele Küstenregionen in Asien schlugen und Hunderttausende in den Tod rissen, war Knapp nicht direkt von der Katastrophe betroffen. Er war weder vor Ort im Katastrophengebiet noch durch etwaige dort weilende Bekannte tangiert. Der Religions-, Geschichts- und EWG-Lehrer an der Bad Schönborner Realschule wollte aber damals auch dazu beitragen, dass man den vielen Betroffenen rasch helfe.
Durch persönliche Kontakte lernte er eine in Mannheim arbeitende Ordensschwester kennen, die aus der Region Kerala im Süden Indiens stammt. Sr. Telma berichtete von der Zerstörung des Tsunamis vor allem im Kanniyakumari, wo drei Ozeane aufeinander treffen. Drei ihrer Mitschwestern hätten dort über 1800 Obdachlose, Waisen und Verzweifelte in einem Kindergarten und Gästehaus untergebracht und über Monate hinweg versorgt.
Auf Einladung Knapps sprach Sr. Telma in Bad Schönborn zu Schülern und im Oktober 2005 veranstalteten die Grund- und Hauptschule sowie die Realschule einen Sponsorenlauf mit 900 Läufern, der fast 39.000 Euro erwirtschaftete. Portionsweise wurde das Geld direkt nach Indien geschickt, um konkrete Projekte und Vorhaben zu verwirklichen. Ein durch Spenden der Caritas Mannheim gebautes Waisenhaus für kleinere Opfer des Tsunamis wurde dort unterstützt.

In den Pfingstferien reiste Rudolf Knapp nun zusammen mit seiner Frau Petra und dem 16-jährigen Sohn Paul auf eigene Kosten nach Indien, um das Heim der Ordensschwestern zu besuchen und weitere Spendengelder zu überbringen.
Untergebracht sind dort 50 Mädchen im Alter von sechs bis 21 Jahren. Manche haben ihre Eltern im Tsunami verloren, andere können von den verarmten Familien nicht mehr versorgt werden. Sie erhalten von den Ordensschwestern nicht nur ein Dach über dem Kopf, Essen und Geborgenheit, sondern können auch Schulen besuchen und eine Berufsausbildung absolvieren. Allerdings sind die Schwestern auf weitere Spenden angewiesen. Fast 9000 Euro kostet die komplette Versorgung der Mädchen von den Lebensmitteln bis zum Schulgeld. Deshalb engagiert sich nun Rudolf Knapp weiter hier in der Region, um Spenden und Patenschaften für die Mädchen zu vermitteln. Mit Vorträgen und Präsentationen ist er bei Vereinen und Bekannten vorstellig, berichtet über die Schicksale der Mädchen und die Arbeit der Bethany-Schwestern, die das Heim leiten.

Der herzliche Empfang, den die Mädchen den Gästen aus Deutschland bereiteten, die Disziplin und den Eifer nach Bildung, den die Kinder an den Tag legten, hinterließen einen bleibenden Eindruck bei Knapp und seiner Familie. Verblüffend für die Besucher aus Deutschland waren vor allem die strahlenden Augen der Kinder, die trotz ihres Schicksals sich zu den Privilegierten dort zählen, da sie eine Schulausbildung erhalten und ein Dach über dem Kopf haben. Von manchen Mädchen, die er nun in "Patenschaften" vermitteln möchte, wisse man nicht einmal das genaue Alter, so der 57-Jährige aus Bruchsal.

Die Mädchen durften während des Besuches ihre Festkleider tragen und führten Tänze und Lieder für die Gäste auf. Die Verabschiedung nach wenigen Tagen fiel allen besonders schwer. "Zu wissen, dass wir ein bisschen geholfen haben ist gut," so Knapp, "aber es reicht nicht." Deshalb macht er jetzt weiter ? sammelt Spenden und informiert über das Projekt. Seinen deutschen Realschülern hat er auch die Bilder gezeigt. "Das Heim ist ein gutes Beispiel, wie der Glaube positiv gelebt werden kann," berichtete er seinen Religionsklassen. "Es gibt keine Konfessionsbindung, das Heim ist offen für alle Mädchen aller Kasten," so Knapp, der auch berichtet, dass unmittelbar nach dem Tsunami 120 Waisenkinder in dem damals noch provisorischem Heim untergebracht waren. Die Jungen wohnen inzwischen bei einem Männerorden in einer ähnlichen Einrichtung.

Natürlich hofft er für jedes Mädchen einen Paten zu finden, damit die Ausbildung und Zukunft der Kinder gesichert ist. Auch sei er dankbar über Spenden jeglicher Größe. Durch den direkten Kontakt mit den Ordensschwestern komme das Geld auch direkt in Kanniyakumari an. Wer das Kinderheim unterstützen möchte kann unter dem Stichwort ?Freundes u. Förderkreis RS Bad Schönborn e.V. Kinderheim: Indien? auf das Konto 17 42 33 36 bei der Sparkasse Kraichgau (BLZ 663 500 36) spenden.

Kontaktmöglichkeit: rudiknapp@gmx.de.

Da der Freundes- und Förderkreis der Realschule Bad Schönborn die Spenden verwaltet und weiterleitet, besteht auch die Möglichkeit eine Spendenquittung zu erhalten.

 

Bildbeschreibung:

Herzlich wurden die Besucher aus Bruchsal von den 50 Mädchen, die ihre Festtagskleider tragen durften, im Kinderheim begrüßt.

Knapp Spielplatz: Rudolf Knapp und Sohn Paul (Mitte hinten) besuchten auch den mit Spenden aus dem Ertrag des Hoffnungslaufes der Bad Schönborner Schulen finanzierte Spielplatz beim Kinderheim in Kanniyakumari. Mitte vorne: Sr. Telma

Kontodaten

Freundes- und Förderkreis RS Bad Schönborn

IBAN: DE44663500360017423336

BIC: BRUSDE66XXX (Bruchsal)

Bank: Sparkasse Kraichgau Bruchsal-Bretten-Sinsheim